{"id":325,"date":"2025-10-14T21:18:28","date_gmt":"2025-10-14T19:18:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.niko-lindlar.de\/?p=325"},"modified":"2025-10-20T08:33:56","modified_gmt":"2025-10-20T06:33:56","slug":"angst-und-harte-entscheidungen-fear-and-hard-choices","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.experiencing-leadership.de\/?p=325","title":{"rendered":"Angst und harte Entscheidungen &#8211; Fear and hard choices"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wie Angst uns in die kurzfristige Befriedigung treibt \u2013 wo wir doch eigentlich kurzfristig leiden sollten<\/strong> (english version below)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe k\u00fcrzlich <em>Factfulness<\/em> von Hans, Ola und Anna Rosling gelesen, ein wahrhaft fantastisches Buch. Ich bin \u00fcber eine Passage \u00fcber Angst, und wie diese unsere Informationsfilter ver\u00e4ndert, gestolpert. Wir brauchen diese Filter, um die st\u00e4ndig einprasselnde Flut von Informationen zu verarbeiten, ohne diese Filter w\u00fcrden wir mit der schieren Menge nicht klarkommen. Auf der anderen Seite schr\u00e4nken diese Filter die Breite an Informationen stark ein. So sehen wir dann zum Beispiel vermehrt, was wir schon kennen \u2013 der sogenannte confirmation bias. Oder wir nehmen an Daten folgen einer linearen Trendlinie, obwohl sie das eigentlich gar nicht tun. Angst verst\u00e4rkt diese Vorurteile (biases) indem sie die Filter so stark verengt. Das hindert uns daran, die volle \u201eBreite\u201c der Daten zu sehen, ihre Komplexit\u00e4t zu erkennen. So viel aus <em>Factfulness<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Jimmy Carr ist ein herrlich sarkastischer Satiriker und Komiker. Er wurde einmal nach seinen Tipps f\u00fcr Eltern mit Kleinkindern gefragt. Nach einem ersten Witz fiel er komplett aus seiner Rolle, wurde ernst und sagte (grob \u00fcbersetzt): \u201eWillst du einen ernsthaften Tipp? Ja ok. Harte Entscheidungen jetzt, entspanntes Leben sp\u00e4ter.\u201c Das ist die ultra-kurzfassung eines Konzepts, dem ich selbst auch schon lange folge. Lass es uns auseinandernehmen und mit dem Angst-Filter-Konzept aus <em>Factfulness<\/em> verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ok, was hei\u00dft \u201eHarte Entscheidungen jetzt, entspanntes Lebens sp\u00e4ter\u201c genau? Ein plattes und vereinfachtes Beispiel: Gib deinen Kindern heute keine S\u00fc\u00dfigkeiten, auch wenn sie dann vielleicht weinen, weil ein Kind mit Diabetes ist mehr Arbeit. Das ist auch wahr, wenn man das physische und mentale Wohlergehen des Kindes au\u00dfer Acht l\u00e4sst, obwohl das vermutlich wichtiger ist als \u201edie Arbeit\u201c die du tun musst. Ein anderes Beispiel: Geh jetzt joggen, obwohl es vielleicht unangenehm ist, so dass du mit 70 Jahren noch eine Treppe steigen kannst ohne au\u00dfer Puste zu kommen. Ich glaube, ihr versteht, worauf ich hinaus m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Das Ding ist, dieses Konzept zu verstehen \u2013 nicht unbedingt ihm zu folgen \u2013 ist recht einfach bei diesen \u201eeinfachen Problemen\u201c. Sport machen, nicht zu viele S\u00fc\u00dfigkeiten essen, f\u00fcr die Rente sparen. Das ist alles Umst\u00e4nde, bei denen es uns leichtf\u00e4llt, die kurzfristigen Kosten gegen langfristige Rendite abzuw\u00e4gen. Keine S\u00fc\u00dfigkeiten ist vielleicht ein bisschen unangenehm in dem Moment, aber wir k\u00f6nnen alle kennen das Konzept starke Gewichtszunahme und die verbundenen gesundheitlichen Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Probleme starten erst wenn das ganze System sehr kompliziert ist \u2013 oder wenn man von Angst beeinflusst ist. Wie in <em>Factfulness<\/em> beschrieben macht Angst uns blind, es filtert die Informationen vor. Jetzt wird es deutlich schwieriger die kurzfristen Kosten und langfristigen positiven Folgen einer Handlung abzusch\u00e4tzen. Ich glaube, das ist einer der wichtigsten Mechanismen, wie Angst uns zu schlechten Entscheidungen dr\u00e4ngt: Angst filtert die Informationen, die wir erhalten, daher sehen wir nicht die \u201eharte Entscheidung jetzt\u201c die zu einem \u201eentspannten Leben sp\u00e4ter\u201c f\u00fchrt \u2013 wir treffen also die \u201eeinfache Entscheidung jetzt\u201c, die dann wiederum oftmals zu einem \u201eharten Leben sp\u00e4ter\u201c f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ok, gut zu Wissen. Aber was machen wir dagegen, wie \u00fcberkommen wir das?<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, da gibt es sicher keine einfache L\u00f6sung. Ich habe zwei Strategien, die ich hier gerne teilen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens: Entspann dich und vertraue mehr. Es gibt einen Haufen b\u00f6ser Menschen auf der Welt. Viele Diebe wollen unser Geld, das Internet ist ebenso voll von Betr\u00fcgern. Aber. Es gibt so viel mehr gute, nette Menschen. Der Gro\u00dfteil der Welt ist sehr sicher. Die meisten Menschen, die man trifft, wollen einem nichts B\u00f6ses. Vertrau dem. Au\u00dferdem: Die Welt ver\u00e4ndert sich seit Jahrhunderten zum Besseren. Ja, es gibt nach wie vor enorme Probleme. Ja, Menschen sterben an Hunger. Aber es war schlechter und wurde besser \u2013 und wir vermutlich noch besser werden. Wenn du mir nicht glaubst, lies <em>Factfulness<\/em>. Angst mag ein guter Motivator in manch Situation sein, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Angst vor keinen Handlugen gegen den Klimawandel wird nicht zu mehr Klimaschutz f\u00fchren, es wird nur unser Denken vernebeln. Angst vor Dieben wird deine Wahrnehmung der Sch\u00f6nheit anderer Menschen und anderer Orte grotesk verzerren. Das zu \u00e4ndern, ist schwer, klar. Aber es ist eine dieser harten Entscheidungen, die dir sp\u00e4ter ein entspanntes Leben machen. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens: Trainier deine \u201cHarte Entscheidungen treffen\u201c F\u00e4higkeiten. Ich glaube, die beste Strategie ist hier sich der Entscheidung bewusster zu sein. Vor einer Joggingrunde, denk dar\u00fcber nach, warum das positive Folgen haben wird. Vor dem Lernen f\u00fcr eine Klausur \u00fcberlege, wie dir das Lernen in Zukunft helfen wird. Vielleicht kannst du auch ein paar mehr \u201eharte Entscheidung\u201c in den Alltag einbauen? Die Dusche auf kalt stellen, das Rad nehmen wenn es regnet. Dein neuronales Netz auf diese Art zu trainieren, bereitet dich darauf vor gute Entscheidungen zu treffen, wenn du Angst hast, wenn du nicht top fit bist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df, das ist alles nicht neu und nicht revolution\u00e4r. Viele von euch sind vermutlich schon sehr gut darin, harte Entscheidungen zu treffen. Aber vielleicht hat ja jemand etwas aus diesem Post mitgenommen, dann war es das Schreiben wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie immer: Ich bin gespannt auf eure R\u00fcckmeldungen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fear driving us into short term gain \u2013 when we actually should accept short term pain<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>I have recently read <em>Factfulness<\/em> by Hans, Ola and Anna Rosling, a truly fantastic book. I stumbled upon this passage about fear and how it influences the filters we apply to the information that pour in every second. We need these filters; without them, we could not cope with the sheer amount of information available. But on the other hand, the filter severely limits our attention broadness. For example, we tend to see what we already know, i.e., confirmation bias. Or we perceive data to follow a straight line, when it actually doesn\u2019t. Fear amplifies our existing biases by narrowing the filters. It stops us from seeing the broader picture, the complexity in the data. So much from <em>Factfulness<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Jimmy Carry, a brilliantly sarcastic comedian, was once asked about advice for parents with toddlers. After an initial joke, he totally broke character, went out of his regular \u201cmocking-the-audience-routine\u201d, and said: \u201cYou want serious advice? Yeah alright. Hard choices now, easy life later.\u201d This is an ultra-short version of a concept that I have been following for years as well. Let\u2019s break it down and connect it to the fear-filter-concept from <em>Factfulness<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ok, what does \u201cHard choices now, easy life later\u201d mean? A plain and oversimplified example: Don\u2019t give your kids candy today, even though they might cry, because a diabetic child is much more work. This holds true even if you don\u2019t consider the physical and mental well-being of the child, although that is arguably more important than \u201cthe work\u201d you have to do. Another example: Go for a run now, even though it might be unpleasant, so you are able to climb stairs at 70 years old without puffing for air. I think you get the point.<\/p>\n\n\n\n<p>The thing is, understand \u2013 though not necessarily following \u2013 this concept is easy when it comes to \u201csimple problems\u201d. Doing sports, not eating too much candy, saving for your retirement. Those are circumstances where you easily judge the immediate cost and the future pay-out. Not eating candy might be a little unpleasant at that moment, but you are familiar with weight gain and the detrimental health effects this has.<\/p>\n\n\n\n<p>The problems start when the whole system is very complicated \u2013 or when you are influenced by fear. As described in <em>Factfulness<\/em>, fear blinds us, it pre-filters the information. Now it becomes much harder to judge the immediate costs of an action and the future beneficial outcomes. I believe, this is one of the main mechanisms by which fear makes us such bad decision makers: Fear filters the information we get, this makes us incompetent in seeing the \u201chard choice now\u201d that leads to \u201ceasy life later\u201d so we choose an \u201ceasy choice now\u201d which in most cases leads to a \u201chard life later\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Well, ok, good to know. But what do we do about it, how do we fix it?<\/p>\n\n\n\n<p>There most certainly is no easy solution to this \u2013 no pun intended. I have two strategies I want to share here.<\/p>\n\n\n\n<p>First: Become more trustful and more relaxed. There are a lot of bad people in the world. A lot of criminals that want to steal your money, a lot of scammers are on the internet. But. There are so many more decent people. Most of the world is a very safe place. Most people you meet don\u2019t want anything bad to happen to you. Trust in this. Also, the world has been changing for the better for the last couple of hundred years. Yes, there are still enormous problems. Yes, people die of hunger. But it was worse and has gotten better \u2013 and will most likely continue to do so. If you don\u2019t believe me, read <em>Factfulness<\/em>. Fear might be a good motivator in some areas, but only up to a point. Fear of no action against climate change will not make climate protection come around any faster, it will only cloud our thinking. Fear of people stealing your money will cloud your perception of the beauty of other people and foreign places. Changing this is hard, obviously. But it\u2019s one of these hard choices that gives you easier life later.<\/p>\n\n\n\n<p>Second: Train your \u201chard decision making\u201d skills. I think the best strategy here is to be more conscious about these decisions. Before a run, reflect on why a run is beneficial. Before sitting down to study, reflect on why studying will help you in the future. Maybe you could incorporate some more hard decisions? Turn the shower cold, take the bike even though it is raining. Training your neural net in this way will help you make a good decision when you are fearful, when you are not at your best.<\/p>\n\n\n\n<p>I know this is not rocket science. Many of you are probably already very good at making hard choices. But maybe one of you gained something from this post, then it was all worth it.<\/p>\n\n\n\n<p>As always: I\u2019m looking forward to your feedback!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Angst uns in die kurzfristige Befriedigung treibt \u2013 wo wir doch eigentlich kurzfristig leiden sollten (english version below) Ich habe k\u00fcrzlich Factfulness von Hans, Ola und Anna Rosling gelesen, ein wahrhaft fantastisches Buch. Ich bin \u00fcber eine Passage \u00fcber Angst, und wie diese unsere Informationsfilter ver\u00e4ndert, gestolpert. Wir brauchen diese Filter, um die st\u00e4ndig einprasselnde Flut von Informationen zu verarbeiten, ohne diese Filter w\u00fcrden wir mit der schieren Menge nicht klarkommen. Auf der anderen Seite schr\u00e4nken diese Filter die Breite an Informationen stark ein. So sehen wir dann zum Beispiel vermehrt, was wir schon kennen \u2013 der sogenannte confirmation bias. Oder wir nehmen an Daten folgen einer linearen Trendlinie, obwohl sie das eigentlich gar nicht tun. Angst verst\u00e4rkt diese Vorurteile (biases) indem sie die Filter so stark verengt. Das hindert uns daran, die volle \u201eBreite\u201c der Daten zu sehen, ihre Komplexit\u00e4t zu erkennen. So viel aus Factfulness. 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